Während man das heutige Lünen schon seit dem Jahre 890 im Heberegister, dem so genannten “Urbar” des Benediktinerklosters Werden an der Ruhr als “liunon” findet, vergehen noch 655 Jahre, ehe in den Annalen unserer Region Brambauer als eine “Bramburschop” namentlich erwähnt wird. Alleiniger Grund dafür ist lediglich ein Streit zwischen der Grafschaft Dortmund und der Stadt Lünen um das Weiderecht auf Brambauer Gebiet im Jahre 1545. Der Name “Brambauer”, so kann man nachlesen, ist von den Namen “Bram” = Ginster und “Bauerschaft” abgeleitet und bedeutet somit “Ginsterbauerschaft”. Diese Brambauerschaft gehörte ursprünglich zum Gebiet der Grafschaft Dortmund, die sich in jener Zeit bis zur Lippe erstreckte und auch Lippholthausen einschloss. Nachdem 1293 die Brüder Gottschalk und Gottfried Budde auf Drängen des Grafen von Dortmund und der Reichsstadt Dortmund ihre Burg in Lippholthausen niederreißen lassen mussten, wird 1340 eine neue Burg, die Buddenburg erwähnt.
Zwar erklärte Evert Vridach van der Buddenborch diese Burg neun Jahre später zum Offenhaus für die Grafen und die Reichsstadt von Dortmund, doch bildete bald darauf die Bauerschaft Lippholthausen einen selbstständigen Verwaltungs- und Gerichtsbezirk. Hier setzten die Grafen von der Mark allmählich ihre Interessen durch, wie Streitigkeiten und Grenzrezesse des 16. Jahrhunderts zwischen den Grafschaften Dortmund und Mark verdeutlichen. 1565 wurden die Grenzstreitigkeiten zwischen beiden Territorien zunächst beendet und der Grenzverlauf zwischen Brambauer (Grafschaft Dortmund) und Lippholthausen-Buddenburg (Grafschaft Mark) festgelegt. Auf der nach Dortmund gerichteten Seite dieser Steine, so wird berichtet, war das Dortmunder Wappen, der Reichsadler, erkennbar. Nach 1613 hat man die Steine erneuert, von denen noch zwei erhalten sind. In einer Karte des Dortmunder Chronisten Detmar Mülher aus dem Jahre 1613 wurden die gesetzten Grenzsteine vermerkt. Zur Sicherung der Grafschaft und Reichsstadt Dortmund legte man in der Brambauerschaft eine “Sperrlandwehr” mit Schanzen an. überreste davon sind im Volkspark an der Brechtener Straße zu finden. Der Dortmunder Chronist Beurhaus berichtet in diesem Zusammenhang von einem Gefecht zwischen märkischen und Dortmunder Truppen um die Schanze beim Hof Ferige: “In dieser Bauerschaft hatten die Dortmunder bei des Verigen Hofe ehedem eine Schanze, welche Johann von und zu Wenige, clevischer Droste zu Hoerde, mit 18 Soldaten durch einen heimlichen Anschlag den 7. Oktober 1601 einnahm und demnechst besetzte, worauf sich Johann Brock, ein Dortmunder Bürger, wegbegeben und die Schanze ohne Blutvergießen wieder zu liefern erbotten, welchem auch 250 gewaffnete Bürger zugegeben und den 9. Dezember in der Nacht aus der Burgpforte gelassen worden. Allein als sie an die Schanze gekommen, ist der Anschlag schon verrathen gewesen, mithin ein scharf Scharmützel entstanden, daß die Dortmunder einen Wagen mit allerhand Instrumenten und Sachen samt einem Pferde zurücklassen mussten, auch 2 Todte und stark Blessierte, der Gegentheil auf der Schanze aber einen Todten gehabt. Doch hat genannter Droste folgenden Tags durch die aufgebottenen Bauern aus dem Amt Hoerde die Schanze schleifen lassen, wovon die Rudere noch zu sehen sind.”
Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648) fügte der Brambauerschaft großen Schaden zu. 1640 war die Zahl der Höfe von 31 auf nur noch 18 Höfe gesunken. 1765 wird Brambauer von Beurhaus folgendermaßen beschrieben: “Die Brambauerschaft oder auf dem Bram, auch in der Bram-Bauer genannt, ist gleichfalls groß und besteht in den kleinen Orten: Nordbrechten, Toghausen, Meininckhausen, Höinckhausen, öttringhausen, samt der Gegend am Herrenthey, in der Hanebecke, welche alle hinlänglich Ackerländerei, gute Viehzucht und besonders treffliche Holzung haben, folglich aus den Lipphölzern öfters gute Summen Geldes machen.” Die Bauern waren verschiedenen Herren gegenüber abgabepflichtig: den Reichshöfen Elmenhorst und Abdinghof, dem Stift Cappenberg und den Freiherren von Frydag zu Buddenburg. 1896 bestanden noch 15 Höfe.
Die Brambauerschaft gehörte ursprünglich zur Grafschaft Dortmund, die 1343 und 1504 je zur Hälfte an die Reichsstadt Dortmund kam. 1802/1803 fiel sie im Zuge der Säkularisation an den Fürsten Wilhelm von Nassau-Oranien und wurde 1806 von französischen Truppen besetzt. 1808 bildete Napoleon das Großherzogtum Berg, dem auch die Grafschaft Dortmund angehörte. Die Brambauerschaft lag im Ruhr-Departement, Arrondissement Dortmund, Mairie Lünen.
Mit der Neuordnung Deutschlands auf dem Wiener Kongreß 1815 lag Brambauer im Königreich Preußen. Aus der Mairie Lünen wurde das Amt Lünen, zu dem Brambauer bis 1905 gehörte. Die starke Bevölkerungszunahme – als Folge des in Brambauer einziehenden Bergbaus – brachte eine Vermehrung der Amtsgeschäfte mit sich, so dass 1905 das Amt Lünen in die ämter Kirchderne und Eving geteilt wurde. Zum Amt Eving gehörten bis 1914 die Gemeinden Brambauer, Brechten, Eving, Holthausen, Kemminghausen, Lindenhorst und Lippholthausen. 1914 wurden die Gemeinden Eving, Lindenhorst und Kemminghausen der Stadt Dortmund und Lippholthausen nach Lünen eingemeindet. Brambauer, Brechten und Holthausen bildeten fortan – bis 1928 – das Amt Brambauer. Dafür wurde bis 1915 ein neues Amtsgebäude an der Brechtener Straße errichtet, das mit dem daneben liegenden Wohnhaus für den Amtmann Paul Bonnermann als Musterbeispiel eines zeitgemäßen Verwaltungsbaus diente.
1925 legte die preußische Staatsregierung den Entwurf eines Gesetzes vor, der die Umbildung des Landkreises Dortmund – zu dem das Amt Brambauer und die gleichnamige Gemeinde gehörten – vorsah. Ziel der Regierung war es, kreisfreie Mittelstädte zu bilden. In der Folgezeit strebten Waltrop, das Amt Mengede und Dortmund den Anschluss Brambauers an. 1927 beschloss der Kreistag nach langem Hin und Her, dass der Landtag über das künftige Schicksal des Amtes bzw. der Gemeinde Brambauer entscheiden solle. Der Lüner Bürgermeister Ernst Becker teilte daraufhin dem Regierungspräsidenten in Arnsberg die Vorteile einer Vereinigung Brambauers mit Lünen mit. Becker wurde in seinem Bestreben von dem Landtagsabgeordneten Schulz-Gahmen unterstützt, fand aber auch Zustimmung beim Brambauer Amtmann Tiltmann und der Zechengewerkschaft Minister Achenbach, deren Reserve-Grubenfelder im Nordosten von Brambauer und Lünen lagen. Währen der 1. Lesung im Landtag kamen Amtmann Tiltmann und Bürgermeister Becker zu Wort. Am 7. März 1928 konnte Becker nach der entscheidenden 3. Lesung ein Telegramm nach Lünen senden, worin er die beschlossene Eingemeindung Brambauers nach Lünen mitteilte. Durch diesen Verwaltungsakt wurde Lünen kreisfreie Stadt. Die Kreisfreiheit verlor die Stadt Lünen am 1. Januar 1975. Zu diesem Zeitpunkt trat das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Ruhrgebiet, das sogenannte Ruhrgebietsgesetz in Kraft. Mit gleichem Gesetz wurde die um Altlünen vergrößerte Stadt dem Kreis Unna zugeteilt, in dem sie die größte Kommune ist.
Quelle: “Brambauer, von der Bauerschaft zum Industrieort”, Autor: Fredy Niklowitz, Stadtarchivar der Stadt Lünen


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