Gottschalk: "Knecht Gottes" war ein germanischer Name

Gottschalk ist ein germanischer Rufname, der nur noch als Familienname erhalten ist. Wie fast alle germanischen Namen besteht er aus zwei Gliedern.  Gottschalk ist ein christlicher Taufname. Er ist mit oder nach der Missionierung der Germanen entstanden, denn das Wort "Gott", obwohl germanischen Ursprungs, bezeichnet immer den Christengott.

Neubildungen wie Gotthilf oder Gottlob sind aber Schöpfungen der protestantischen Erneuerungsbewegung des Pietismus im 17. Jahrhundert. Gottschalk (ahdt. got skalch) bedeutet: Gottesknecht, besser Knecht Gottes. Der Name folgt inhaltlichen Vorbildern aus anderen Sprachen.

Knecht Gottes heißt hebräisch: Obadja, griechisch: Theodul und arabisch: Abdullah, Abdallah. Der Name ist vielleicht auch analog zu Mar skalch (Pferdeknecht) und Sene skalch (Ältester Knecht) gebildet worden. Diese beiden Bezeichnungen, die einen Bedeutungswandel zum Positiven genommen haben - der Seneschall wurde zum Oberhofmeister, der Marschall zum Verantwortlichen für die Hofstallungen, schließlich gar zum ranghöchsten General -, zeigen die Bedeutungsvielfalt des Wortes skalch.

Ein dienender Knecht oder ein Schalk, der einem im Nacken sitzt, war der skalch nicht.

Gottschalk war im Mittelalter als Rufname sehr verbreitet. Besonders beliebt war er dort, wo Fürst Gottschalk (Märtyrertod 1066 n. Chr.), der Stifter der Bistümer Oldenburg, Mecklenburg und Ratzeburg, als Heiliger verehrt wurde.
Quelle  von Hans Markus Thomsen ...

Eine Kölner Urkundensammlung, die Schreinsurkunden aus dem 12. Jahrhundert, verzeichnet ihn 139 mal. Gottschalk von Aachen (etwa 1050 - 1108) hat als Kanzlist den Kaiser Heinrich IV. im Investiturstreit mit Papst Gregor VII. wirkungsvoll beraten.

Beliebt war der Name Gottschalk auch bei jüdischen Bürgern. Die waren Anfang des 19. Jahrhunderts per Edikt verpflichtet worden, feste Familiennamen zu führen. Gottschalk war für sie ein deutscher Name, der die Assimilierung erleichterte, aber die inhaltliche Bedeutung eines hebräischen Namens (Obadja) hatte. Zudem war er als christlicher Taufname damals schon ausgestorben. Heinrich Heines Großvater mütterlicherseits hieß Josef Gottschalk van Geldern.

Analog zu Gottschalk hat sich der Name Engelschalk ( = Engelsknecht) gebildet. Beide Namen finden sich auch abgeschwächt zu Gottschall und Engelschall.

Häufiger noch als Gottschalk (6.600) ist die Kurzform Gottsch (11.250) als Familienname überliefert. Aus Gottschalk entstanden unter anderen auch die Verkleinerungsformen Göttsche (726) und Götsche (351).
Quelle  www.haus-der-namen.de


Aus dem vergriffenen Buch Deutsche und Amerikaner. Ein Lese- und Nachschlagebuch mit 258 Abbildungen von Wolfgang Glaser
Unsere Familiennamen sind in aller Regel die ältesten familiengeschichtlichen Zeugnisse, über die wir verfugen. Durch Generationen weitergegeben, reichen sie bis in Zeiten zurück, aus denen keinerlei Dokumente überlebt haben - doch sie zu interpretieren und aus ihnen Aufschlüsse über die eigene Herkunft zu gewinnen, erweist sich fast immer als äußerst schwierig. Die Möglichkeit von Fehldeutungen vervielfacht sich bei Auswanderern, die ihren Namen in einen fremden Sprachbereich mitgenommen haben, wo er mehr oder weniger starken Veränderungen und Anpassungen ausgesetzt war. Der folgende kleine Streifzug durch die Geschichte der deutschen Familiennamen in der Alten und der Neuen Welt möchte keine übertriebenen Hoffnungen auf genealogische Nutzanwendungen wecken - wohl aber Interesse, wie es dieses faszinierende Teilgebiet der Familienforschung verdient.

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